Donnerstag, 10. April 2008

How to do a Lesertest – not!

Wir alle haben schon mal irgendwann in unserem Leben einen Test zu einem Videospiel in einer Zeitschrift oder auf einem Onlineportal zu unserem liebsten Hobby gelesen. Aber irgendwie sind wir doch nie mit den Wertungen zufrieden. Schreiben kann doch nun wirklich jeder und deswegen zeigen wir den ganzen inkompetenten Fachredakteuren mal, wie das richtig geht.

Ein druckfrisches Beispiel von GamePro.de

„Da geht noch was!“

Wichtig, die Überschrift sollte neugierig auf den Test machen, vor allem, wenn es sich um den mittlerweile achten Teils einer Serie handelt.

„Ich bin mit dem Spiel eigentlich zufrieden!“

Weil die ganzen Checker eh die Texte nie zu ende lesen, ist es dringend erforderlich die eigene Meinung ganz an den Anfang zu stellen. So kann man sich überflüssige Details, wie Story, Handlung, Spielgefühl und ähnlich unnützes Zeug schenken.

„Es ist cool wie die Steuerung genutzt wird und die Grafik ist auch nett.“

Langweile deine Leser nicht mit zu vielen Infos. Es reicht aus, wenn du sagst, die Steuerung ist cool und die Grafik ist nett. Warum die Grafik nett und die Steuerung cool ist, solltest du besser nicht schreiben, denn nur selber denken macht schlau!

„Aber irgendwie muss das doch noch besser gehen!“

Weil es sich um den inzwischen achten Teil der Serie handelt, weißt du, da muss noch mehr drin sein. Irgendwie muss das einfach noch besser gehen. Dank deiner einen Satz zuvor fundiert vorgetragenen Kritik wissen die Entwickler nun genau, was sie im nächsten Teil des Spiels besser machen müssen.

„Darum würde ich sagen: Jetzt nicht mehr kaufen sondern auf Mario Party 9 warten!!“

Um unmissverständlich klar zu machen, dass der Leser das Spiel nicht mehr kaufen soll, musst du möglichst viele Ausrufezeichen verwenden. Du kennst das ja bereits von deinen Eltern. Wer am lautesten Schreit hat recht und wer in der Schule am meisten im Unterricht brüllt, bekommt auch die besten Noten.

Um deine Kaufwarnung zu unterstreichen gebe dem Spiel eine angemessene Spielspaßwertung, die sich sowohl mit deiner Einleitung als auch mit deinem Schlusssatz deckt.

„79% Spielspaß“



Nun gut, für die Leute, die deinen Roman nicht ganz lesen wollten, hast du die wichtigsten Kernaussagen noch mal einem knackigen Pro und Contra zusammengesetzt.

„Coole Steuerung“

Das hast du zwar mit gleichem Wortlaut und Detailgrad in deinem Test geschrieben, dennoch kann es nicht schaden, es zu wiederholen.

„Innovative Minispiele“

Auf Grund der äußerst knappen Zeichenbegrenzung von unendlich konntest du natürlich nicht auf jedes unwichtige Detail, wie zum Beispiel den Hauptbestandteil des Spiels eingehen. Deswegen ist es wichtig diesen Punkt noch schnell der Vollständigkeit halber zu erwähnen.

„mittelmäßige Grafik“

Richtig, die Grafik ist, wie oben erwähnt, nur nett. Also mittelmäßig. Dies fällt bei einem Partyspiel natürlich sehr stark ins Gewicht. Außerdem kann Wii ja nicht mal 1080p, die Scheißgrafik kann also nie besser als mittelmäßig sein.

„etwas langsam...“

Gameplayschwächen wurden bereits ausführlich von dir beschrieben, weswegen du sie lieber noch mal erwähnen möchtest.



Quelle:
Lesertest zu Mario Party 8 (Wii) auf GamePro.de, veröffentlich am 06. April 18.31h. Ungekürzt, nicht lektoriert.
Link

3 Comments:

AllenSchezar said...

Kaum Moderator des Monats, schon der erste Beitrag. ^^ Aber natürlich einsame Klasse dieser Versuch eines Lesertests. Vielleicht wollte er den Ehrenpreis für den kürzesten Test in GamePro-History. Aber halt, das geht doch noch besser. Neuer Versuch bitte.

BertBarth said...

Mh, ich hab mich erst gefragt: "was ist das? Was will der Evil von mir?". Dann hab ich den Lesertest gesucht und schon viel es mir wie Schuppen von den Augen. Jetzt verstehe ich auch das "ungekürzt" am Ende. *g*
Schön satirisch kommentiert, das ganze. :-)

Ein direkter Link zum Test wäre nicht schlecht: http://www.gamepro.de/index.cfm?pid=25&pk=42763&opv=2#5325

Vynix said...

Grandios geschrieben Evil. Das passt gut, Moderator des Monats, Blogeinstand hier und dann so eine Lachnummer. Herrlich. *tränewegwisch*

Wirklich sehr lustig. Danke.